Erythrozyten-Reifungs-Aktivator1,2

Die chronische Anämie (Blutarmut) bei Patienten mit Beta-Thalassämie ist die Folge einer ineffektiven Erythropoese, das heißt einer Störung in der Bildung roter Blutkörperchen (Erythrozyten). Im Knochenmark werden zwar viele Vorstufen von Erythrozyten gebildet, doch diese können nicht zu funktionstüchtigen Erythrozyten ausreifen. Eine der Ursachen für den Defekt in der Erythrozyten-Reifung sind bestimmte Proteine, sogenannte Liganden der TGF-β-Superfamilie. Diese kommen im Menschen natürlich vor und wirken überwiegend in der späten Phase der Erythropoese (Ausreifungsphase) hemmend auf die Ausreifung von roten Blutkörperchen. Beim Gesunden werden TGF-β-Liganden in der späten Phase der Erythropoese abgebaut, so dass Vorläuferzellen zu roten Blutkörperchen ausreifen können. Bei Patienten mit MDS und Beta-Thalassämie ist dies nicht der Fall. Das Level der TGF-β-Liganden ist erhöht und die Erythropoese ineffizient.

Bestimmte transfusionsabhängige Beta-Thalassämie-Patienten können mit einem Wirkstoff, der als Erythrozyten-Reifungs-Aktivator (ERA) bezeichnet wird, behandelt werden. Der ERA hat das Potenzial, die ineffektive Erythropoese effektiv zu aktivieren. Der ERA bindet TGF-β-Liganden und hebt deren hemmenden Effekt auf die Erythrozyten-Reifung auf.

Die Behandlung mit ERA stellt keinen Ersatz für Bluttransfusionen in Kombination mit einer Eisenchelat-Therapie dar. Allerdings kann sie eine Reduktion der Transfusionen und Eisenchelat-Therapie bis hin zu einer Transfusionsunabhängigkeit ermöglichen. Für die Patienten kann dies eine spürbare Erleichterung des Managements ihrer Erkrankung bedeuten.