Ursachen – wie entsteht die Beta-Thalassämie?

  • Die Thalassämie ist die weltweit am häufigsten vererbte, monogenetisch bedingte Krankheit.
  • Die Vererbung erfolgt unabhängig vom Geschlecht.
  • Die Krankheit kann auch Generationen überspringen.

Die Thalassämie ist nicht ansteckend, sondern eine angeborene (hereditäre), lebenslange Erkrankung in unterschiedlichen Ausprägungen. Die verschiedenen Formen der Thalassämie können durch unterschiedliche Gendefekte (Mutationen) der Beta-Globinketten entstehen. Der Schweregrad der Beta-Thalassämie hängt von der Restaktivität des betroffenen Beta-Globin-Gens ab (HBB-Gen). Je weniger Beta-Globinketten aufgrund einer Genmutation gebildet werden können, desto ausgeprägter ist die klinische Erscheinungsform der Erkrankung.

Für die Entstehung der Beta-Globinketten sind unterschiedliche Ausprägungen/Varianten eines Gens verantwortlich, die sogenannten Allele. Zu jedem Gen erben wir ein väterliches und ein mütterliches Allel. Je nachdem, ob beide Elternpaare die Mutation vererben oder nur ein Elternteil und welche Art der Mutation vorliegt, entwickeln sich unterschiedliche Varianten und damit Krankheitsverläufe der Beta-Thalassämie. In der Fachsprache nennt man den Erbgang: autosomal-rezessiv.

Abbildung: Wie entsteht die Beta-Thalassämie

Autosomal-rezessive Vererbungsform für angeborene Erkrankungen:

Von jedem Gen, auch von dem Beta-Globin-Gen (HBB), besitzt ein Mensch jeweils eine Kopie des Gens (Allel) von jedem biologischen Elternteil. Die schwere Beta-Thalassämie tritt nur auf, wenn beide biologischen Eltern ein HBB-Gen mit einer krankhaft veränderten Ausprägung (Allel) an ihre Nachkommen weitergeben. Erbt das Kind nur ein fehlerhaftes Gen vom Vater oder von der Mutter, erkrankt es nicht oder nur leicht. Denn das krankhafte Allel ist rezessiv (zurücktretend) und das gesunde Allel setzt sich mit seinen Ausprägungen durch. Das Kind ist selbst aber potenzieller Überträger für das krankhafte Allel und somit für die Erkrankung. Die Krankheit kann also auch Generationen überspringen. Die Vererbung erfolgt über Gene auf nicht geschlechtsbestimmenden Chromosomen (Autosomen), d. h., der Vererbungsweg ist unabhängig vom Geschlecht. Bei einem autosomal-rezessiven Erbgang beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung bei den Nachkommen auftritt, bei jeder Schwangerschaft 25 %.

Welche Formen der Beta-Thalassämie gibt es?

Die verschiedenen Schweregrade der Beta-Thalassämie werden durch die Mutationen im Gen HBB (Hämoglobin-ß) verursacht. Bei den leichteren Formen liegt meist nur auf einem Allel eine Mutation vor (heterozygote Beta-Thalassämie). Diese milderen Formen werden daher als Thalassämie minor bezeichnet. Bei den schweren Verlaufsformen werden schwerwiegende Genveränderungen auf beiden Allelen gefunden (Homozygotie oder gemischt-komplexe Heterozygotie).

Je nach den Auswirkungen der Mutation auf die Produktion von Beta-Globinketten unterscheidet man drei Klassen von Mutationen:

  • β    normale Produktion von Beta-Globinketten

Mutationen:

  • β++ moderat verringerte Produktion von Beta-Globinketten, Restaktivität des HBB-Gens von ca. ≥ 10 %
  • β+  deutlich verringerte Produktion von Beta-Globinketten, Restaktivität des HBB-Gens ca. < 10 %, bei den häufigen β+-Mutationen < 5 %
  • β0  keine Produktion von Beta-Globinketten, HBB-Gen ist inaktiv

Übersicht über die Genotypen, die genetische Klassifizierung und die Phänotypen der verschiedenen β-Thalassämien1,2,3,4

Genotyp

Genetische Klassifizierung

Phänotyp

β/βNormalbefundnormal
β/β0heterozygote β0-Thalassämieβ-Thalassaemia minor
β/β+ oder β++heterozygote β+– oder β++-Thalassämiemilde bis stumme β-Thalassaemia minor
β00homozygote β0-Thalassämieβ-Thalassaemia major
β+0compound heterozygote β+0-Thalassämiemeist β-Thalassaemia major
β++ oder β++homozygote β++– oder compound heterozygote β+++-Thalassämieoft β-Thalassaemia major oder Thalassaemia intermedia

Wichtig zu wissen: Allein bei der Beta-Thalassämie major gibt es mehr als 400 Mutationen. Für manche Therapieform kann es hilfreich sein, die Mutation genau zu bestimmen. Ihr Arzt wird Sie ausführlich über die Behandlungsmöglichkeiten aufklären und zusammen entscheiden Sie über die für Sie passende Therapie.

„Es gibt Schlimmeres als Beta-Thalassämie.“

Nicola De Nittis
Business Intelligence Manager, Beta-Thalassämie major